Wir wollen das Leben noch mal neu rocken
Besondere Hausgemeinschaft: Die „Artverwandten“ möchten sich im Alter gegenseitig unterstützen und viel zusammen unternehmen. Wir besuchten sie in der Kalandstraße.

Die ereignisreiche Zeit hat ihn geprägt: In den 1980er-Jahren lebte Jürgen Rabold in einer Fünfer-WG. „Die Zeit war wunderbar. Wir haben es sogar geschafft, zusammen einen Bus auszubauen und zu viert nach Indien zu fahren“, erzählt der 69-Jährige. „Wir haben zusammen studiert und uns in der harten Examenszeit gestützt – natürlich haben wir auch viel gefeiert. Das war für mich ein Aufblühen. Mir war ganz klar: So eine Wohnform möchte ich später unbedingt wieder haben.“ Nun hat er zusammen mit seiner Frau und 14 weiteren Braunschweigerinnen und Braunschweigern eine besondere Hausgemeinschaft verwirklicht. Die „Artverwandten“ möchten sich im Alter gegenseitig unterstützen und viel zusammen unternehmen. Gemeinschaftliches Wohnen unter einem Dach – das ist auch für die BBG ein Pionierprojekt. Im September 2017 ist die lebendige Gemeinschaft in die Kalandstraße 6 eingezogen. Im Mai besuchten wir vier von ihnen: Wie geht’s?


12 Wohnungen sind im Haus bezogen. Dazu gibt es eine Wohnung im Erdgeschoss, die der Verein gemeinschaftlich angemietet hat. Hier treffen sich die Bewohnerinnen und Bewohner des Hauses immer donnerstags zum Jour fixe. Jeder bringt etwas zu essen mit, der Haus-Wein Rosalie aus der Pfalz steht auf dem Tisch, und dann wird lebhaft erzählt und geplant. Monatlich findet zudem ein Gruppentreffen statt. „In der Wohnung wird auch gespielt und gefeiert. Silvester ging die Party bis morgens um drei. Wir haben auch schon eine Literaturgruppe gegründet. Jemand schlägt ein Buch vor, wir lesen es alle, und dann diskutieren wir darüber“, erzählt Charlotte Busch (64). In den ersten Monaten stand die Einrichtung der Wohnungen im Fokus. Nun gestaltet die Gruppe zusammen die Gemeinschaftswohnung. Einen Putzplan sowie eine Sitzecke aus Keilrahmen zum Lümmeln gibt es bereits. Die hat Hausbewohner Gerhard Scharnhorst gebaut.

Im Haus leben Singles und Paare im Alter von Mitte 50 bis Mitte 70. Beruflich sehr gemischt. Mit dabei: eine Architektin, eine Anwältin, eine Puppenspielerin, eine Hochschuldozentin, eine Zytologieassistentin, ein Organisationsberater, Designer, Sozialpädagogen und Künstler. Die meisten sind noch berufstätig.

Gemeinsam ist allen, dass sie einiges zurücklassen mussten. Anna Storp (63) etwa ist aus einer 120 Quadratmeter großen Wohnung auf dem Dorf in eine 54 Quadratmeter große Wohnung gewechselt: „Da war klar, dass nicht alles mit kann. Das müssen Sie wollen!“ Eine zentrale Frage ist: Was ist dir wichtig? „Brauche ich die Fortsetzung all der strahlenden Schönheit, in der ich gewohnt habe? Oder möchte ich mit Freunden unter einem Dach wohnen und wissen: Ich vereinsame nicht. Wir sind nicht die Leute, die sich um Kreuzfahrten und Fotobücher von den Enkeln drehen. Das Leben soll auch nicht isoliert sein.“ Die Artverwandten sind für Anna Storp auch Ausdruck eines anderen Lebensentwurfes. „Irgendwann ist man ausgegliedert aus dem Berufsleben und es beginnt das Verwalten des Alters. Wir wollen das Leben noch mal neu und anders rocken.“

Charlotte Busch hat für den Umzug ihre Eigentumswohnung aufgegeben. „Meine Töchter sind schon lange aus dem Haus. Ich habe allein gelebt. Nach dem Urlaub kommst du zurück in deine Wohnung und niemand ist da.“ Sie ist nun total zufrieden. „Die Wohnung ist superschön geworden. Gerade hatte ich eine ärztliche Untersuchung. Mich hat unheimlich gefreut, wie die Menschen hier Anteil daran genommen haben. Hier ist ein Nährboden. Menschen, die mit mir leben; die an meinem Leben Anteil nehmen und ich an ihrem. Das finde ich beruhigend. Ich bin geborgen in einer Gemeinschaft. Dazu bekomme ich viele Anregungen, von Kino bis Theater.“

Wie weit ist die gegenseitige Unterstützung geplant? Ist auch die Pflege im Alter ein Thema? „Wir sind alle im ähnlichen Alter. Es ist illusorisch, sich vorzustellen, einander zu pflegen“, antwortet Anna Storp. „Wir haben eher überlegt: Könnte vielleicht eine Pflegekraft aus Osteuropa bei uns wohnen, die sich um alle kümmert?“

Die Gemeinschaftswohnung möchten die Artverwandten gern auch mit öffentlichen Veranstaltungen bespielen. 2019 könnten dort zum Beispiel Aufführungen des Figurentheaterfestivals stattfinden. „Wir möchten nicht nur vor uns hin puzzeln“, betont Hanne Scharnhorst (63). „Wir möchten gern auch ins Quartier hineinwirken.“ Wir werden noch viel von ihnen hören.


Gemeinsam Entscheidungen treffen - „Manchmal flogen die Fetzen“


Zwischendurch gab es immer wieder Zweifel: Nun haben wir so viel Energie in das Projekt gesteckt. Gibt es überhaupt ein Happy End? Die Suche nach einem passenden Haus war mühsam. Aber auch die Gruppe musste sich erst einmal finden. „Es gab so einiges an Disputen“, erinnert sich Charlotte Busch. „Die, die bei der Stange geblieben sind, sind zähe Menschen.“

Sieben Jahre währte die Findungsphase. In dieser Zeit trafen sich die „Artverwandten“ monatlich. Eine Gruppe fuhr zusammen in den Urlaub. Andere zeigten sich die Regionen, in denen sie aufgewachsen sind. Bedeutsam für den Zusammenhalt war auch ein professionell begleitetes Wochenende. „Ein Coach bringt einen voran. In unserer Gemeinschaft gibt es einige Profis, aber wir haben uns trotzdem zusätzliche Hilfe gesucht“, erzählt Anna Storp. „Wir haben über unser Selbstverständnis nachgedacht. Was wollen wir miteinander, füreinander tun? Was hat jeder für Vorstellungen und Wünsche? Wie stellt man Gemeinsamkeit her? Wie handelt man Entscheidungen aus? Dazu gehören auch Gesprächsregeln. Wir versuchen, alles im Konsens zu klären.“ Hanne Scharnhorst berichtet: „Einige in der Gruppe stiegen aus, weil ihnen das zu mühsam war und auch mal die Fetzen flogen. Man muss die Unterschiedlichkeit aushalten können.“

„Es ging viel um Nähe und Distanz“, erinnert sich Jürgen Rabold. „Die einen befürchteten, dass es zu eng wird; die anderen, dass es zu lose wird – dass sie in der Gemeinschaft einsam sind.“ Dies ist nach wie vor ein Thema im Haus. „Wann darf ich in eine andere Wohnung gehen? Wann störe ich? Bei einem kann ich klingeln, wann immer ich möchte. Ein anderer hat einen Gnubbel an der Tür, der zeigt: Kommt gern vorbei. So etwas muss sich einspielen.“ Inzwischen erlebe man auch andere Seiten. „Jeder möchte zur guten Atmosphäre beitragen, aber wir lernen nun auch unsere Alltagsgesichter kennen und sehen nicht nur die Sonntagsgesichter. Damit müssen wir umzugehen lernen. Das soziale Experiment ist im Prozess. Es ist überhaupt noch nicht abgeschlossen.“

Zurzeit gestaltet die Gemeinschaft den Gruppenraum. Am Balkonfenster hängen Beschreibungen verschiedener Stühle. Die nächsten Entscheidungen: Welche Optik soll es sein? Wie teuer kann es werden? „Konflikte kann es über alles Mögliche geben, etwa darüber, wie gekrümmt die Lehne sein soll. Es kommt auch mal vor, dass jemand verletzt ist“, erzählt Hanne Scharnhorst. „Aber dann steht doch schnell wieder im Mittelpunkt, dass es um etwas anderes geht: um unsere besondere Gemeinschaft. Dahinter verblassen die Konflikte.“

Vertraute Nachbarschaft - Das Haus wurde vielen Wünschen angepasst

Damit hatte niemand gerechnet. Als die alte Tapete heruntergerissen war, zeigte sich ein kleines Kunstwerk: Schablonenmalerei. „Die würden wir gern erhalten“, sagte der künftige Mieter Gerhard Scharnhorst. Der freischaffende Künstler ergänzte Blautöne und glasierte die gelb-beige Fläche neu. So ist das Wohnungsentree nun ein echter Blickfang – und es erinnert an die lange Geschichte des Hauses. 1910 wurde es bereits gebaut.

Was ist wichtig, damit ein gemeinschaftliches Wohnprojekt gelingt? An erster Stelle: Die Gruppe sollte sich gut verstehen und sich über Wünsche und Ziele einig sein. Die zweite Herausforderung: Wo findet man ein passendes, leer stehendes Haus? „Wo soll es liegen, wie soll es sein? Unser Ideal war: mitten in der Stadt, schöner Garten, für fünf Euro pro Quadratmeter“, erzählt die Gruppe lachend. „Wir hatten zwei Gruppen: Die Utopisten schauten sich viel an, zum Beispiel eine Wagenburg. Die Realisten vertraten uns bei möglichen Investoren.“

Das Haus in der Kalandstraße erwies sich schließlich als gut geeignet. Es sollte umfassend saniert werden. Zuvor gab es dort keine Zentralheizung und keine Badezimmer in den Wohnungen. „Die Gruppe beteiligte sich intensiv im Planungsprozess. Wir konnten viele Wünsche umsetzen“, berichtet BBG-Vorständin Karin Stemmer. „Wir haben zum Beispiel Grundrisse verändert, die Badezimmer barrierefrei gestaltet und einen Fahrstuhl eingebaut.“ Die Chance, umfassend mitzugestalten, bietet nun auch das ehemalige BBG-Seniorenzentrum Reuterstraße. Hier könnte auch ein gemeinschaftliches Wohnprojekt einziehen. Es gibt bereits Interessenten.

Wer sich für solch eine innovative Wohnform entscheidet, muss indes das bisherige Zuhause aufgeben. Keine leichte Entscheidung. Das erlebten auch Gerhard und Hanne Scharnhorst. Sie haben ihr Haus am Heidbergsee verkauft. „Das war total idyllisch, mit riesigem Garten und Keller. Wir mussten ordentlich abspecken“, so Hanne Scharnhorst. „Mein Mann hatte dort viel selbst gemacht. Die Entscheidung ist ihm sehr schwer gefallen.“ Andererseits: „Es war dort alles tipptopp, aber das Haus lag zu abgeschieden. Dann hängt man da und muss sich um Besuch bemühen. Im Alter schafft man auch die Gartenarbeit nur noch mit Ach und Krach.“ Die lange Vorbereitungszeit erleichterte schließlich die Entscheidung. Gerhard Scharnhorst brachte sich stark in die Diskussionen ein und wurde mit der Gruppe vertraut. Heute sagen beide: „Wir haben den Umzug noch keine Sekunde bereut!“


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